Das Jugendschutzgesetz (JuSchG) ist ein Bundesgesetz und gilt einheitlich in ganz Deutschland. Der Muttizettel – die Erziehungsbeauftragung nach § 1 Abs. 1 Nr. 4 JuSchG – funktioniert in allen 16 Bundesländern identisch. Unterschiede bestehen jedoch in der Kontrolldichte, den typischen Veranstaltungen und der regionalen Handhabung durch Ordnungsbehörden.
Warum ein Vergleich nach Bundesland?
Obwohl die Rechtslage überall dieselbe ist, unterscheidet sich die Praxis erheblich. In Großstädten wie Berlin oder Hamburg kontrollieren Ordnungsämter häufiger als in ländlichen Regionen. Bestimmte Bundesländer haben starke Volksfest-Traditionen mit eigenen Einlassregeln der Veranstalter, andere sind für ihre Clubszene bekannt. Dieser Überblick hilft Eltern und Jugendlichen, die Besonderheiten ihres Bundeslandes zu verstehen.
Die Vorlage für den Muttizettel ist bundesweit gültig – egal ob in Bayern auf dem Oktoberfest oder in Schleswig-Holstein auf der Kieler Woche. Wichtig ist, dass der Muttizettel korrekt ausgefüllt ist und die erziehungsbeauftragte Person alle Anforderungen erfüllt. Mehr zu den rechtlichen Grundlagen finden Sie in unserem Ratgeber.
Alle 16 Bundesländer im Vergleich
| Bundesland | Kontrolldichte | Besonderheiten | Link |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Mittel bis hoch | Fastnacht, Stuttgarter Clubszene, Southside Festival | Muttizettel Baden-Württemberg |
| Bayern | Hoch | Oktoberfest, Rock im Park, starke Volksfesttradition | Muttizettel Bayern |
| Berlin | Hoch | Vielfältige Clubszene, viele 18+-Clubs, internationale Events | Muttizettel Berlin |
| Brandenburg | Niedrig bis mittel | Nähe zu Berlin, Waschhaus Potsdam, ländliche Feste | Muttizettel Brandenburg |
| Bremen | Mittel | Freimarkt, Viertel-Szene, kompakte Stadtstruktur | Muttizettel Bremen |
| Hamburg | Hoch | Reeperbahn, Hamburger Dom, Hafengeburtstag, große Clubszene | Muttizettel Hamburg |
| Hessen | Mittel bis hoch | Frankfurter Clubszene, Museumsuferfest, Weihnachtsmärkte | Muttizettel Hessen |
| Mecklenburg-Vorpommern | Niedrig | Küstenfestivals, Seebadfeste, saisonale Veranstaltungen | Muttizettel Mecklenburg-Vorpommern |
| Niedersachsen | Mittel | Schützenfeste, Hannover Messe, Maschseefest | Muttizettel Niedersachsen |
| Nordrhein-Westfalen | Hoch | Karneval, Industriekultur, dichte Clublandschaft | Muttizettel NRW |
| Rheinland-Pfalz | Mittel | Weinfeste, Fastnacht, Rock am Ring | Muttizettel Rheinland-Pfalz |
| Saarland | Niedrig bis mittel | Französischer Einfluss, Saarbrücker Szene, grenznahe Events | Muttizettel Saarland |
| Sachsen | Mittel | Leipziger Clubszene, Dresdner Kultur, Weihnachtsmärkte | Muttizettel Sachsen |
| Sachsen-Anhalt | Niedrig bis mittel | Händel-Festspiele Halle, Magdeburger Kulturszene | Muttizettel Sachsen-Anhalt |
| Schleswig-Holstein | Mittel | Kieler Woche, Küstenfeste, Lübecker Veranstaltungen | Muttizettel Schleswig-Holstein |
| Thüringen | Niedrig bis mittel | Weimarer Kulturstadt, Erfurter Szene, Thüringer Kirmes | Muttizettel Thüringen |
Bundesweite Ausgehzeiten nach JuSchG
Unabhängig vom Bundesland gelten diese Regeln nach dem Jugendschutzgesetz:
| Alter | Ohne Muttizettel | Mit Muttizettel |
|---|---|---|
| Unter 16 Jahre | Gaststätten bis 23 Uhr (mit Essen), Tanzveranstaltungen nicht erlaubt | Tanzveranstaltungen bis 24 Uhr mit erziehungsbeauftragter Person |
| 16-17 Jahre | Gaststätten bis 24 Uhr, Tanzveranstaltungen bis 24 Uhr | Über 24 Uhr hinaus mit erziehungsbeauftragter Person möglich |
Diese Zeiten sind in § 4 und § 5 JuSchG festgelegt und gelten einheitlich von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen.
Alkoholregelungen – überall gleich
Auch die Alkoholregeln nach § 9 JuSchG sind bundeseinheitlich:
- Unter 16 Jahre: Kein Alkohol, auch nicht mit Muttizettel
- 16-17 Jahre: Bier, Wein und Sekt erlaubt; keine Spirituosen oder Mixgetränke mit Spirituosen
- Ab 18 Jahre: Keine Einschränkungen
Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Alkoholregeln.
Wo wird am strengsten kontrolliert?
Die Kontrolldichte hängt vor allem von der Größe der Stadt und der Art der Veranstaltung ab. In Großstädten wie Berlin, Hamburg, München und Köln kontrollieren Ordnungsämter und Polizei regelmäßig bei Großveranstaltungen und in Clubs. Bei Volksfesten wie dem Oktoberfest, dem Hamburger Dom oder dem Kölner Karneval gibt es verstärkte Jugendschutzkontrollen.
In ländlicheren Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder dem Saarland sind die Kontrollen tendenziell weniger häufig – das bedeutet aber nicht, dass die Regeln dort weniger gelten. Veranstalter sind überall gesetzlich verpflichtet, den Jugendschutz einzuhalten.
Der Muttizettel gilt überall
Egal in welchem Bundesland Sie leben oder eine Veranstaltung besuchen: Der Muttizettel ist ein bundesweit gültiges Dokument. Ein in Bayern ausgestellter Muttizettel gilt genauso in Schleswig-Holstein oder Sachsen. Entscheidend ist, dass er vollständig ausgefüllt ist und die erziehungsbeauftragte Person ihre Pflichten kennt.
Informationen zum korrekten Ausfüllen finden Sie in unserem Muttizettel-Guide. Wer den Muttizettel für einen Clubbesuch benötigt, sollte vorher die Hausregeln der jeweiligen Location prüfen – denn Veranstalter dürfen strengere Regeln als das Gesetz festlegen.
Kostenlose Vorlage herunterladen
Unsere PDF-Vorlage ist in allen 16 Bundesländern gültig und enthält alle notwendigen Felder für die Erziehungsbeauftragung nach dem Jugendschutzgesetz.
Häufige Fragen
Gilt ein Muttizettel aus einem anderen Bundesland?
Ja. Da das Jugendschutzgesetz Bundesrecht ist, gilt ein korrekt ausgefüllter Muttizettel in jedem Bundesland. Es spielt keine Rolle, wo er ausgestellt wurde.
Gibt es landesspezifische Muttizettel-Vorlagen?
Nein. Es gibt keine bundeslandspezifischen Pflichtformulare. Unsere Vorlage ist überall einsetzbar. Manche Veranstalter bieten eigene Formulare an, die zusätzliche Felder enthalten – diese sind aber keine gesetzliche Pflicht.
Wo finde ich Informationen zu meinem Bundesland?
Wählen Sie Ihr Bundesland in der Tabelle oben aus. Auf jeder Seite finden Sie regionale Informationen zu beliebten Veranstaltungsorten, Kontrolldichte und praktische Tipps.
Wer kontrolliert den Jugendschutz?
Die Kontrolle obliegt den kommunalen Ordnungsbehörden und der Polizei. Veranstalter sind ebenfalls verpflichtet, den Jugendschutz am Einlass zu prüfen. Mehr dazu unter Rechtsgrundlagen.